Episode 11: Teamboarding - wo Teamboarding ins Stocken gerät

Shownotes

Episode 11: Die Fallstricke – wo Teamboarding ins Stocken gerät

Teamboarding kann Verbesserungsarbeit im Krankenhaus grundlegend verändern. Es bringt Verantwortung dorthin, wo die Arbeit stattfindet, schafft Transparenz und macht aus Verbesserung einen kontinuierlichen Prozess. Doch das System funktioniert nicht automatisch.

Wenn Teamboarding ins Stocken gerät, führt die Spurensuche selten zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Stationen oder in den Funktionsbereichen. Viel häufiger liegen die Ursachen in Führung, Unterstützung, Zusammenarbeit und den Strukturen des Krankenhauses selbst. In dieser Episode geht es deshalb um die entscheidenden Fallstricke.

1. Ohne Führungsspitze geht es nicht Teamboarding ist kein Projekt, das eine Stabsstelle im Auftrag der Geschäftsführung ausrollen kann. Es muss von der obersten Führung initiiert und getragen werden. Denn früher oder später entstehen Fragen, die ein Verbesserungsteam nicht selbst lösen kann: unterschiedliche Interessen, fehlende Ressourcen, unklare Zuständigkeiten oder notwendige Entscheidungen. Dann muss Führung spürbar werden – als Entscheider, Helfer und Rückhalt.

2. Verbesserung muss man lernen Probleme analysieren, Prozesse verstehen, Ursachen von Symptomen unterscheiden und Veränderungen dauerhaft in den Alltag bringen: Das alles ist eine Kompetenz. Deshalb braucht Teamboarding eine professionelle Unterstützungsstruktur, beispielsweise durch ein zentrales Leanteam. Entscheidend dabei: Das Lean Team übernimmt nicht die Verbesserungsarbeit. Es befähigt die Teams, sie selbst zu leisten.

3. Führung darf nicht abwesend sein Auch die unmittelbaren Führungskräfte vor Ort bekommen durch Teamboarding eine neue Rolle. Sie müssen zuhören, diskutieren, Hindernisse beseitigen und Entscheidungen treffen. Manchmal müssen sie auch Nein sagen – dann aber erklären können, warum. Die vielleicht wichtigste Aufgabe von Führung lautet deshalb: Dafür sorgen, dass die Teams vor Ort erfolgreich sein können.

4. Interprofessionell heißt wirklich gemeinsam Patientenversorgung ist eine gemeinsame Leistung. Prozesse kennen keine Berufsgruppen. Deshalb kann Verbesserungsarbeit nicht dauerhaft funktionieren, wenn beispielsweise die Pflege regelmäßig am Board arbeitet, während Ärztinnen und Ärzte nur gelegentlich dazukommen. Teamboarding braucht alle relevanten Berufsgruppen – nicht als Gäste, sondern als Mitglieder eines gemeinsamen Verbesserungsteams.

5. Augenhöhe entsteht nicht durch Beschluss Krankenhäuser sind von formellen und informellen Hierarchien geprägt. Diese verschwinden nicht dadurch, dass wir ein Verbesserungsteam gründen. Gerade Stationsleitungen brauchen deshalb methodische Sicherheit, klare Entscheidungsstrukturen und Rückhalt durch ihre Führung. Sonst verspricht Teamboarding Beteiligung, während im entscheidenden Moment doch wieder die alten Machtstrukturen gewinnen.

6. Verbesserung braucht einen Nordstern Teams brauchen nicht nur Probleme, die sie lösen sollen. Sie brauchen eine Vorstellung davon, wohin sich ihre Organisation entwickeln soll. Führung braucht eine Idee. Wann ist eine Station wirklich gut organisiert? Wann funktioniert ein OP gut? Wie sollte eine Notaufnahme aussehen? Und woran erkennen wir überhaupt, dass ein Prozess besser geworden ist? Der Nordstern gibt Orientierung und hilft Teams, nicht nur das Bestehende zu optimieren, sondern auch grundsätzliche Fragen zu stellen.

7. Irgendwann geht es um Macht Was passiert, wenn jemand schlicht sagt: „Ich mache nicht mit“? Dann muss eine Krankenhausführung entscheiden, welchen Stellenwert kontinuierliche Verbesserung tatsächlich hat. Ist Teamboarding ein freiwilliges Angebot? Oder ist es die Art und Weise, wie das Krankenhaus seine Organisation künftig führen und entwickeln will?

Überzeugen, erklären und einbeziehen bleibt der bessere Weg. Aber eine Organisation kann ihre Entwicklung nicht dauerhaft davon abhängig machen, ob jeder Einzelne Lust darauf hat.

Die zentrale Botschaft dieser Episode

Teamboarding scheitert selten daran, dass Mitarbeitende keine Ideen haben oder ihre Arbeit nicht verbessern wollen. Kritisch wird es dort, wo eine Organisation Verbesserung fordert, aber die Voraussetzungen dafür nicht schafft: wenn Führung nicht entscheidet, Unterstützung fehlt, Berufsgruppen nebeneinander statt miteinander arbeiten, alte Machtstrukturen dominieren oder eine klare Entwicklungsrichtung fehlt.

Das sind keine methodischen Details. Das sind Systemfragen.

Wer Teamboarding will, muss deshalb mehr tun, als Boards aufzuhängen und Besprechungen einzuführen. Er muss eine Organisation schaffen, in der kontinuierliche Verbesserung tatsächlich funktionieren kann.

Über den Podcast:

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Konzept & Host: Jörg Gottschalk Produktion & Urheberrecht: Jörg Gottschalk

Transkript anzeigen

00:00:06: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Kantenausführung Neu Denken.

00:00:12: Mein Name ist Jörg Gottschalk, ich freue mich, dass Sie wieder dabei sind!

00:00:17: In der vergangenen Episode habe ich über die zentralen Wirkungen von Teamboarding gesprochen darüber was passieren kann wenn dieses Verbesserungssystem funktioniert.

00:00:28: Teamboarding gibt Verbesserung eine klare Struktur und integriert sie in die normale Arbeitswelt.

00:00:35: Es schafft Transparenz und fokussiert die Beteiligten als Team auf eine gemeinsame Aufgabe, die Entwicklung der eigenen Organisation.

00:00:45: Es sorgt dafür dass Unterstützung nicht zufällig stattfindet sondern verbindlich organisiert wird Und es führt Führung näher an das tatsächliche Geschehen heran Als informierte Stelle, als Helfer und dort wo es notwendig ist als schnelle Entscheider.

00:01:07: Ich betone dabei immer wieder, dass Teamboarding als System gedacht werden muss.

00:01:13: Es besteht aus vielen kleinen Rädchen, je möglichst gut ineinandergreifen müssen damit am Ende kontinuierlich und dauerhaft das herauskommt was wir eigentlich wollen eine höhere Qualität für unsere Patientinnen und Patienten eine gestärkte Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt zufriedene Mitarbeitende.

00:01:32: Nun wäre es allerdings eine ziemliche Übertreibung, wenn ich behaupten würde dass dieses System überall und jederzeit gleich gut funktioniert.

00:01:41: Natürlich gibt es Schwankungen – Energieschwankungen.

00:01:45: Es gibt Teams die eine Zeit lang mit großer Intensität an ihren Abläufen arbeiten Eine Idee nach der anderen entwickeln Und sichtbar voran kommen plötzlich ruhiger werden.

00:01:58: Manchmal fehlt die Zeit, manchmal drängen andere Probleme in den Vordergrund und manchmal gehen selbst sehr engagierten Teams schlichte Ideen aus.

00:02:08: Das finde ich zunächst einmal gar nicht besonders beunruhigend.

00:02:11: Organisationsentwicklung ist kein Motor der nach dem Einschalten dauerhaft mit gleichbleibender Drehzahl läuft.

00:02:19: Solche Ups and Downs sind normal Und meistens kann man ihnen auch ganz gut begegnen.

00:02:26: Daneben gibt es allerdings Probleme, die tiefer reichen.

00:02:30: Probleme, denen nicht nur die Geschwindigkeit reduzieren sondern ein zunächst auch gut gestartetes Teamboarding tatsächlich auf eine kritische Bahn bringen können.

00:02:41: Ich würde sie als die echten Knackpunkte des Systems bezeichnen und genau um diese Knackpunkte soll es heute gehen.

00:02:51: Das Interessante daran ist Teamboarding macht viele dieser Schwachstellen ungewöhnlich schnell sichtbar.

00:02:59: Wenn Verbesserung ins Stocken gerät, führt die Spurensuche nämlich erstaunlich selten zuerst zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Stationen oder in den Funktionsbereichen.

00:03:11: Die Teams vor Ort sind nach meiner Erfahrung wirklich selten die eigentliche Entwicklungsbremse.

00:03:18: Sehr viel häufiger führt uns die Spur zu den Führungsebenen Zu fehlende Unterstützung, zu tradierten Rollen und zu den Strukturen des Krankenhauses selbst.

00:03:29: Und der erste Knackpunkt beginnt deshalb sofort ganz oben.

00:03:34: Teamboarding ist vor allem anderen ein Führungsthema.

00:03:38: Deshalb kann Teamboarding niemals, beispielsweise von einer Stabstelle gestartet werden verbunden mit dem freundlichen Wunsch der Geschäftsführungen macht mal.

00:03:48: das System muss ohne wenn und aber von der Führungsspitze ausgehen nicht Weil die Geschäftsführung jedes Boardbesuchen oder jede Verbesserung persönlich begleiten soll, das wäre tatsächlich absurd.

00:04:03: Sondern weil im Laufe der Verbesserungsarbeit zwangsläufig Fragen auftauchen, die ein Team nicht selbst beantworten und schon gar nicht entscheiden kann – was passiert wenn zwei Bereiche völlig unterschiedliche Interessen haben?

00:04:18: Wenn eine Verbesserung eine Entscheidung des Chefarztes verlangt, wenn Ressourcen benötigt werden, wenn Zuschändigkeiten unklar sind oder wenn jemand schlicht sagt ich mache da nicht mit.

00:04:29: Genau an diesen Stellen zeigt sich, ob Teamboarding tatsächlich ein System des Krankenhauses ist oder nur eine Verbässerungsinitiative für diejenigen, die ohne Hinlust darauf haben.

00:04:41: Denn Verbesserungsarbeit kostet Zeit und Energie.

00:04:45: Diese Energie bringen Menschen vor allem dann auf, wenn sie erleben dass sich daraus tatsächlich etwas entwickelt.

00:04:53: Wenn Probleme zwar immer wieder benannt werden anschließend aber wegen fehlenden Entscheidungen Meinungs- oder Interessensunterschieden oder mangelnder Unterstützung stecken bleiben verschwindet irgendwann die Bereitschaft noch mehr Energie hinein zu stecken.

00:05:08: Die Beteiligung sinkt.

00:05:11: Teamboarding ist deshalb in gewisser Weise zum Erfolg verdammt.

00:05:16: Und genau dafür trägt die Führungsspitze eine besondere Verantwortung, sie muss nicht ständig sichtbar sein aber sie muss spürbar sein als Entscheider wenn Entscheidungen notwendig sind als Helfer wenn Hindernisse beseitigt werden müssen und manchmal einfach.

00:05:33: also Rückhalt für diejenigen die vor Ort versuchen Dinge zu verändern.

00:05:41: und damit komme ich direkt zum zweiten Knackpunkt.

00:05:44: Teams können Verbesserungsarbeit lernen.

00:05:47: Davon bin ich überzeugt, aber wir sollten nicht erwarten dass sie es einfach so können.

00:05:53: Entwicklung soll doch kein Zufall bleiben.

00:05:56: Verbesserung Arbeit ist eine Kompetenz Probleme sauber zu analysieren Prozesse sichtbar zu machen Ursachen von Symptomen zu unterscheiden Veränderungen zu strukturieren und anschließend dafür zu sorgen, dass aus einer guten Idee tatsächlich eine dauerhaft veränderte Arbeitsweise wird.

00:06:16: All das muss man lernen!

00:06:18: Deshalb braucht Teamboarding eine professionelle Unterstützungsstruktur.

00:06:23: Ich spreche in diesem Zusammenhang meistens von einem kleinen zentralen Lean-Team.

00:06:28: Dieses Team unterstützt die Verbesserungsteams vor Ort methodisch.

00:06:34: Es hilft Ihnen, Probleme zu analysieren, Prozesse zu verstehen und Veränderungen zu entwickeln und umzusetzen.

00:06:42: Man könnte es ein wenig mit einer internen Unternehmensberatung ohne Entscheidungsbefugnis vergleichen.

00:06:49: Allerdings – mit einem entscheidenden Unterschied – das Lean-Team übernimmt die Verbesserung nicht!

00:06:55: Es befähigt andere sie selbst zu betreiben.

00:06:59: Die Probleme bleiben bei den Teams Und die Entscheidungen bleiben dort, wo sie hingehören.

00:07:04: Im Verbesserungsteam oder in den dafür vorgesehenen iratischen Strukturen.

00:07:09: Wenn ich heute noch im Einzelfall Krankenhäuser bei der Einführung von Teamboarding begleite gibt es für mich deshalb zwei ziemlich klare Startvoraussetzungen Die Initiative muss direkt aus der obersten Krankenhausführung kommen und diese Führung muss bereit sein vom ersten Tag an in eine professionelle Unterstützungsstruktur zu investieren.

00:07:32: Denn zu glauben, man könne einfach Boards aufhängen, Teams zusammenstellen und dann würde sich professionelle Verbesserungsarbeit irgendwie von selbst entwickeln ist eine Illusion oder Zufall.

00:07:49: Der dritte Knackpunkt führt uns wieder zur Führung Diesmal allerdings nicht nur zur Geschäftsführung, sondern zur unmittelbaren Führung vor Ort.

00:07:59: Verbesserungsteams stoßen irgendwann auf Themen die sie allein nicht lösen können.

00:08:05: Das ist kein Fehler des Systems, sondern völlig normal und genau dann brauchen Sie Ihre Führungskräfte.

00:08:11: Hier entsteht in der Praxis allerdings erstaunlich häufig ein Problem.

00:08:16: Führungenskräfte tun sich nämlich mit ihrer neuen Rolle oft sehr schwer.

00:08:22: Manche haben Sorge, sich zu stark einzumischen.

00:08:26: Andere wissen nicht genau was von ihnen erwartet wird.

00:08:29: Wieder andere meiden vielleicht auch Situationen in denen sie befürchten auf Fragen keine Antwort zu haben und gelegentlich wird Zeitmangel vorgeschoben, was allerdings etwas merkwürdig wirkt wenn gleichzeitig von Mitarbeitenden erwartet wurde dass Sie Zeit für Verbesserungsarbeit finden.

00:08:48: Ich kann viele dieser Schwierigkeiten nachvollziehen.

00:08:51: Teamboarding verändert schließlich nicht nur die Arbeit der Teams, Teamboarding verändert Führung.

00:08:58: Auch Geschäftsführungen und das nicht zu knapp!

00:09:01: Eine Führungskraft muss aber in dieser neuen Führerungswelt bereit sein sich unmittelbar mit den Problemen ihres Bereiches auseinanderzusetzen.

00:09:10: sie muss ihren Leuten zuhören und mit ihnen offen diskutieren.

00:09:15: Sie muss Hindernisse beseitigen und Entscheidungen treffen Und manchmal muss sie auch sagen, nein das machen wir nicht.

00:09:23: Dann allerdings sollte sie erklären können warum nicht?

00:09:26: Die vielleicht wichtigste Aufgabe von Führung besteht in dieser Welt darin dafür zu sorgen dass die Teams vor Ort erfolgreich sein können.

00:09:37: Was dagegen niemals dauerhaft funktioniert ist Abwesenheit.

00:09:42: Abwesenheit von Führen rüttelt an den Grundfesten des Systems Nicht unbedingt in den ersten Wochen, aber mit der Zeit.

00:09:51: Und das sehr verlässlich!

00:09:54: Denn wenn Teams immer wieder Probleme identifizieren und dann anschließend feststellen, dass niemand von oben bereit ist die notwendigen Entscheidungen zu treffen, zu helfen oder dafür zu sorgen, dass getroffene Entscheidungen tatsächlich umgesetzt werden, passiert etwas ziemlich vorhersehbar aus.

00:10:13: Sie hören irgendwann auf Probleme zu identifisieren und Lösungen zu entwickeln.

00:10:18: Warum sollten sie auch?

00:10:22: Damit komme ich zu einem weiteren Knackpunkt, der ist in vielen Krankenhäusern nicht ganz bequem die interprofessionelle Zusammenarbeit.

00:10:31: Ich formuliere das jetzt mal bewusst vorsichtig aber meine Erfahrung ist ziemlich eindeutig Ärztinnen und Ärzte müssen häufiger aktiv dazu animiert werden, sich an der gemeinsamen Verbesserungsarbeit zu beteiligen als andere Berufsgruppen.

00:10:49: Dafür gibt es eine ganze Reihe nachvollziehbare Gründe auf die ich an dieser Stelle gar nicht näher eingehen möchte – das wäre eher eine eigene Episode wert.

00:10:58: Entscheidend ist zunächst etwas anderes!

00:11:01: Wenn die Beteiligung der Ärzteschaft nicht gelingt entsteht schnell ein merkwürdiges Bild.

00:11:08: Das Board hängt dann auf einer Station.

00:11:10: Vor allem die Pflege trifft sich dort regelmäßig, vielleicht kommen noch andere Berufsgruppen dazu.

00:11:16: Probleme werden besprochen und Verbesserungen entwickelt Und die Ärztinnen und Ärzte tauchen gelegentlich auf oder eben nicht.

00:11:26: Dann haben wir irgendein System aber definitiv kein Teamboy.

00:11:31: Die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten ist und bleibt eine gemeinsame Leistung.

00:11:36: Prozesse kennen bekanntlich keine Berufsgruppen, deshalb lässt sich Prozessverbesserungen auch weder mit einer einseitigen Sicht betreiben noch an andere oder gar eine Berufsgruppe delegieren.

00:11:50: wenn Teamboarding funktionieren soll müssen Ärztin und Ärzte Teil dieser gemeinsamen Arbeit sein nicht als Gäste sondern als Wichtige Mitglieder des Teams.

00:12:07: Anwesenheit allein schafft noch keine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und damit sind wir bei der anderen Seite dieses Problems, der Position von Pflegen vor allem Stationsleitungen kommt in diesem Verfahren oder könnte in diesen Verfahren eine hohe Bedeutung zukommen.

00:12:26: deswegen brauchen sie starken Rückhalt aus ihrer hierarchischen Linie und durch die Unternehmensleitung.

00:12:33: Auf dem Papier können wir noch so häufig von interprofessionellen Teams und Zusammenarbeit auf Augenhöhe sprechen, im konkreten Alltag wirken die traditionellen und häufig auch informellen Machtstrukturen eines Krankenhauses aber munter weiter.

00:12:49: Wenn eine Stationsleitung in einer intensiven Diskussion über einen Ablauf einem Chefarzt oder einer Oberärztin gegenübersteht ist die Ausgangslage eben nicht immer symmetrisch und es kann sehr viel Kraftkost einer etablierten Position etwas entgegenzusetzen.

00:13:07: Deshalb reicht es nicht, den pflegenden oder Stationsleitungen zu sagen ihr seid jetzt Teil des Verbesserungs-Teams also bringt euch ein!

00:13:16: Ihr seid auf Augenhöhe.

00:13:18: die Organisation muss dafür sorgen dass sie sich tatsächlich einbringen können das Sie eine Position finden durch die Beteiligung von Pflegepreisleiterung beispielsweise oder auch durch die Pflegedirektion.

00:13:32: Das ist deren Job!

00:13:34: Stationslettungen müssen gestärkt werden, sie brauchen methodische Sicherheit, Rückhalt und klare Entscheidungsstrukturen.

00:13:41: Sonst besteht die Gefahr das Teamboarding zwar Beteiligung verspricht – die alten Hierarchien aber genau dann wieder die Oberhand gewinnen wenn es wirklich ernst wird.

00:13:54: Ein weiterer Knackpunkt klingt zunächst etwas abstrakter, ist in Wirklichkeit aber ausgesprochen praktisch.

00:14:00: Verbesserungsteams brauchen eine Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll.

00:14:06: Sie brauchen ihren Nordsterren!

00:14:08: Wenn ein Team verbessern soll benötigt es neben der alltäglichen Problemlösungsarbeit eine Vorstellungen davon was gut sein und was besser werden eigentlich konkret bedeutet.

00:14:20: Wann ist denn eine Station gut organisiert?

00:14:24: Wann funktioniert eine Notaufnahme gut?

00:14:27: Wann ist ein Prozess gut genug und woran erkennen wir überhaupt, dass er schlecht ist?

00:14:32: Das klingt zwar zunächst banal aber stellen Sie diese Frage einmal in Ihrem Krankenhaus.

00:14:38: Sie werden wahrscheinlich erstaunt sein wie unterschiedlich die Antworten ausfallen sofern es überhaupt Antworten gibt.

00:14:45: und genau hier liegt das Problem.

00:14:48: Wenn die oberste Führung selbst keine Vorstellung davon entwickelt hat, wie eine gute Organisation aussehen soll, fehlt den Teams irgendwann ein wichtiger Maßstab für Verbesserungen.

00:15:00: Das fällt am Anfang häufig gar nicht auf – denn Probleme, die auffallen gibt es in Krankenhäusern zu genüge!

00:15:08: Ein Team startet und findet sofort zehn oder hundert Dinge, die nicht perfekt funktionieren.

00:15:14: Diese Probleme werden dann bearbeitet, die ersten Verbesserungen umgesetzt und schon ergeben sich den nächsten Themen.

00:15:21: Aber irgendwann verändert sich diese Situation.

00:15:24: nach einem halben oder einem Jahr funktionieren viele Abläufe an der Oberfläche vielleicht schon ganz ordentlich und dann stellt sich die Frage was jetzt?

00:15:34: Verbesserungsteams können unglaublich kreativ sein aber auch kreative Teams verbessern zunächst das was sie kennen.

00:15:41: Sie bewegen sich innerhalb ihrer Erfahrungswelt.

00:15:44: Und sie tragen natürlich wie wir alle die psychische Last jahrelanger Erfahrung mit sich herum, Dinge, die vor fünf Jahren nicht funktioniert haben erscheinen noch heute unmöglich.

00:15:55: Abläufe, die seit zwanzig Jahren bestehen werden irgendwann gar nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt und genau deshalb braucht es manchmal einen Impuls von außen.

00:16:07: muss dieser Prozess überhaupt so aussehen?

00:16:10: Warum machen wir diesen Schritt eigentlich überhaupt noch?

00:16:14: Was wäre, wenn wir etwas versuchen das wir vor drei Jahren noch für vollkommen unrealistisch gehalten hätten.

00:16:19: Genau dort liegen häufig die wirklich großen Potenziale.

00:16:24: Deshalb brauchen Teams eine Richtung Sie brauchen Herausforderungen und manchmal brauchen sie auch einen Schubser um ihre vertraute Welt zu verlassen.

00:16:34: Und genau dafür ist Führung da!

00:16:37: Und eben der Nordstern Er soll keine Hochglanz-Vision an irgendeiner Wand sein, er muss Orientierung für konkrete Verbesserungsarbeit geben.

00:16:48: Er muss Teams dabei helfen zu beurteilen, bringt uns diese Veränderung näher an die Organisationen, die wir sein wollen und vielleicht sogar sein könnten oder eben nicht.

00:17:03: Und damit komme ich zum letzten Knackpugn.

00:17:05: Vielleicht ist es sogar der Unangenehmste?

00:17:09: Wir müssen nämlich über Macht sprechen!

00:17:12: und über die Kraft von Hierarchie.

00:17:14: Krankenhäuser reden nicht besonders gerne über Macht, aber wer eine Organisation verändern will kommt an diesem Thema schlicht nicht vorbei!

00:17:24: Die Führungsstrukturen vieler Krankenhäusern sind erstaunlich undurchsichtig.

00:17:28: Es gibt Geschäftsführungen, Chefärztinnen und Chefärzte, Pflegedirektionen, Bereichsleitungen, Institutsleitung, Stabstellen unternehmen eine ganze Reihe Formeller- und Informeller Einflussstrukturn.

00:17:39: Auf einem Organigramm sieht das dann häufig viel, viel eindeutiger aus als es im Alltag tatsächlich ist.

00:17:47: Solange alle mitmachen, ist das alles überhaupt kein großes Problem.

00:17:51: Interessant wird es bei den Skeptikern – bei denenjenigen die sagen «das brauche ich nicht, das funktioniert bei uns nicht und dafür habe ich keine Zeit» oder ganz schlicht «ich mache nicht mit».

00:18:04: Und spätestens muss eine Geschäftsführung entscheiden, welche Bedeutung Teamboarding und Verbesserungen für dieses Krankenhaus eigentlich haben soll.

00:18:14: Ist es ein freiwilliges Angebot oder ist das die Art und Weise wie dieses Krankenhaushalt seine Organisation führen und entwickeln will?

00:18:24: Wenn es letzteres ist, muss Führung auch bereit sein diesen Anspruch durchzusetzen.

00:18:30: Überzeugen ist dabei natürlich immer der bessere Weg.

00:18:34: Erklären, einbeziehen, zuhören, erfolgesichtbar machen.

00:18:38: selbstverständlich und gerade bei Veränderungen sollte man sehr genau hinhören warum Menschen skeptisch sind.

00:18:46: Widerstand kann natürlich auch ein Hinweis darauf sein dass etwas nicht gut durchdacht wurde aber eine Organisation kann ihre eigene Entwicklung nicht dauerhaft davon abhängig machen ob jeder einzelne Lust darauf hat Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Knackpunkten.

00:19:04: Teamboarding scheitert selten daran, dass Mitarbeiter keine Ideen haben und es scheitern doch selten darin, dass Menschen ihre eigene Arbeit nicht verbessern wollen.

00:19:15: aber kritisch wird es dort wo eine Organisation Verwässerung fordert Aber die Voraussetzung dafür nicht schafft Wo Führung nicht entscheidet, wo Unterstützung fehlt Wo Berufsgruppen nebeneinander statt miteinander verbessern, wo alte Machtstrukturen stärker sind als die neue Zusammenarbeit und wo niemand eine klare Vorstellung davon hat wohin sich die Organisation eigentlich entwickeln soll.

00:19:43: Das sind keine methodischen Details das sind echte Systemfragen Und genau deshalb reicht es nicht ein paar Boards aufzuhängen und regelmäßige Besprechungen durchzuführen.

00:19:54: Wer Teamboarding will, muss auch die Organisation schaffen in der Teamboarding funktionieren kann.

00:20:00: Das ist anspruchsvoll und es kann ein weiter Weg sein.

00:20:04: aber genau dort beginnt für mich echte revolutionäre Krankenhausführung.

00:20:17: Ich glaube das ist erst einmal genug Warnungen für eine Episode.

00:20:22: In der nächsten Episode geht es dann weiter!

00:20:25: Das Thema kann ich Ihnen leider noch nicht verraten weil ich es noch nicht genau weiß.

00:20:31: Also, lassen Sie sich überraschen.

00:20:33: Haben sie eine gute Zeit?

00:20:35: Bleiben Sie neugierig!

00:20:36: Bis dahin – ihr your Gottschalk.

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